Sonntag, 11. Februar 2018

Lieder eines Lebens - Herr MiM persönliche und grandiose Reise durch die Musik (8)

Sommer 1988. Italien. Jugendfreizeit. Irgendwo in der weiteren Umgebung von Bozen/ Südtirol.

Ich lernte, dass die Südtiroler nach der reinen Lehre des Geographieunterrichts der Schule quasi in Italien leben, die Südtiroler dies allerdings vollkommen anders wahrnehmen. Der Koch, gebürtiger Südtiroler, weigerte sich Pizza zu machen. Sehr zum Leidwesen von uns Jugendlichen.

Die Fußballweltmeisterschaft fand 1988 in Deutschland statt. Deutschland verlor im Halbfinale gegen die Niederlande und Italien gegen die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Ja, die gab es da noch. Am Ende wurden die Niederländer Weltmeister.

Meine Eltern kauften ein Haus. Das erfuhr ich aus einem Telefonat mit meinen Eltern, welches ich aus einer der örtlichen Telefonzellen nach Deutschland führte. Eine Welt ohne Whatsapp und Mobiltelefone.  Man schrieb sich Postkarten oder Briefe. Und wenn die Eltern einen Brief schickten, fand man einen Geldschein darin. 

Auf der Jugendfreizeit gab es genau zwei Jugendliche, die rauchten. Sehr zum Leidwesen der Betreuer. Ich und Marc. Die Zigaretten, die wir in dem örtlichen Kiosk kauften bezahlten wir in Lire. Eine Deutsche Mark waren irgendwas um die 1500 Lira. 

Ich war verliebt und hatte mir am ersten Tag der Reise, diese kleine Rothaarige mit den lockigen Haaren und den Sommersprossen abgegriffen. All meinen Mut hatte ich zusammen genommen und sie angesprochen, nach dem ich mich vorher komplett lächerlich gemacht hatte, nur um die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Aber es hatte funktioniert. Was tut man nicht alles. Später wurde irgendwann einmal gesagt, wenn man über den Urlaub sprach, dass ich und sie in diesem Urlaub wie Kletten aneinander klebten. Und jetzt, wo ich mich wieder daran zurück erinnere, fällt mir ein, dass es damals jemanden gab. Sie hatte einen Freund, der auf sie wartete. Ich hatte es wirklich vergessen.

Wir verbrachten 4 Wochen dort. Irgendwo in den Bergen in einem großen Haus, dass ungefähr 20 Jugendlichen Platz bot. Und ich wünschte mir, dass die Wochen nie enden würden.

In der letzte Woche lagen wir auf einer Decke. In einer riesigen Blumenwiese vor dem Haus. Sie nahm ihren Walkman und setze mir die Kopfhörer auf. 

"Irgendwie verbinde ich das Lied mit diesem Moment. Immer wenn ich dieses Lied höre, werde ich an Dich denken", sagte sie. Ich bekam einen dieser Zungenküsse, die man als Teenager so bekam, wo man dachte, man habe einen Quirl im Mund.

Ich war 15. Wir kamen aus dem Urlaub zurück und sie verließ ihren Freund. Wir wurden ein Paar und blieben zusammen. Wir hatten Höhen und Tiefen. Als ich 19 1/2 war, trennten sich unsere Wege endgültig. Wir hatten eine Wohnung gefunden und bereits den Mietvertrag unterschrieben. Es nahm kein gutes Ende mit uns. Es kam nicht mehr dazu, dass wir die Wohnung bezogen. Es war uns nicht vergönnt. Wir waren zu jung und töricht. Naiv.

Und dennoch... ohne sie... wäre ich heute nicht hier. Bevor wir uns trennten, sorgte sie dafür, dass ich diesen einen VEREIN verließ und mich begann daraus zu lösen, was sich noch zwei Jahre zog. Ich habe noch ihren Abschiedsbrief. 6 lange Seiten. Auf Karo-Kästchen geschrieben. Und obwohl unsere Geschichte an der Stelle ein Ende nahm, gab sie mir ihren Glauben an mich mit. Ich solle mich nicht klein machen. Ich könnte etwas. Ich solle an mich glauben. Und ich solle diesen Traum, den ich hätte, verwirklichen. 

Ich machte etwas draus. Es sollten Jahre vergehen, bis sich unsere Wege wieder kreuzen würden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kommentare:

  1. Hallo Herr MiM, ich liebe Ihre Geschichten von früher, das ist so real und kraftvoll.Einen schönen Abend für Sie von Frau A.

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    1. Danke Ihnen, Frau A. Ja, die alten Geschichten waren die Besten.

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  2. Tut wirklich nichts zur Sache, Herr MiM, aber es war die Fußball-EM und die Niederlande wurden Europameister. Nur der Genauigkeit halber :-)

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  3. Und welches Lied lief da im Walkman???
    Alles muss man Ihnen aus der Nase ziehen, Ey!!!
    -> Überschrift!
    -Kirchenfreizeiten schmückten auch meine Jugend. Mit 14 gabelte ich auf einer in Österreich meinen langjährigen 1. Freund mit allem drum und dran auf....bis ich 17 war. Haben heute noch Kontakt.

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    1. Verzeihung, Frau Eva. Er hat beim Veröffentlichen das Script für das Einbetten verschluckt.

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    2. Du meine Güte, und dann SO eine Schnulze!!!!

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  4. Ich wundere mich nicht zum ersten Mal, was Sie alles aufheben :) Hatte das noch nie an mir, manches hat mich eine Weile begleitet, aber früher oder später ist alles über den Jordan gegangen. Für mich gut so. Aber wie wir diese Woche schon einmal festgestellt haben, tickt jeder anders. Teenager-Quirl, gute Beschreibung :)

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    1. Ja, ich habe diese dumme Angewohnheit Erinnerung zu bewaren, Frau Anetaki. Glauben Sie mir, das kann auch belasten... manchmal.

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    2. Das glaube ich sofort. Ich habe festgestellt, je älter ich werde umso seltener schaue ich zurück. Das macht mir nur wieder extrem bewusst, wie viel Zeit vergangen ist und wie wenig bleibt.

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    3. Ich stelle fest, Frau Anetaki, dass ich vieles vergessen habe. Auch weil ich mich mit vielem nicht mehr beschäftigen wollte.

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